Michael Koflers Blog
Gnome-3.0-Impressionen
Nachdem ich mit meinem Unity-Beitrag ja bereits in das sprichwörtliche Wespennest gestochen habe, kann ich mich auch bei Gnome 3.0 nicht eines Kommentars enthalten. Das Schöne an einem Blog ist ja, dass man hier subjektiv das schreiben kann, was man denkt (während in einem Buch der Informationsgehalt und weniger die Meinung des Autors im Vordergrund stehen sollte). Nun denn ...
Meine ersten Eindrücke mit der finalen Gnome-3.0-Version habe ich unter Fedora gewonnen. Die erste positive Überraschung bestand darin, dass Gnome 3.0 auf Anhieb funktionierte, obwohl der Testrechner mit einer schon etwas älteren Nvidia-Grafikkarte ausgestattet ist. Dass der Nouveau-Treiber derart gut funktioniert, ist erfreulich! Dennoch wird vielen Anwendern mit neueren Nvidia-Grafikkarten die Installation des proprietären Treibers nicht erspart bleiben. Bei Geräten mit ATI/ADM-Grafikkarten bzw. mit Intel-Chipsets sollte Gnome 3.0 aber sofort funktionieren.
Pure Eleganz
Gnome 3.0 ist um Welten schöner als Gnome 2.0, keine Frage. Respekt den Designern, die haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Toll gelöst ist auch der Umgang mit mehreren Arbeitsflächen -- auf Anhieb intuitiv, und sogar per Tastatur bedienbar.
Konfiguration des Desktops
Eine Nullnummer, noch schlimmer als bei Unity. Mit Ausnahme des Bildschirmhintergrunds kann das Aussehen des Desktops mit den mitgelieferten Konfigurationsprogrammen nicht verändert werden. Ich verstehe schon, dass das den Wartungsaufwand verkleinert, weniger ist mehr etc. Aber man kann alles übertreiben.
Fenster
Die Fenstergröße kann weiterhin an allen Rändern verändert werden. Die Maus muss dazu allerdings z.T. auf einen Pixel genau positioniert werden. (Mit einem Trackpad ist das praktisch unmöglich.) Jahrelang bestand dieses Problem unter Ubuntu. Dort hat man es nun endlich in Unity gelöst -- jetzt ist offensichtlich Fedora an der Reihe. Arbeiten eigentlich alle außer mir nur mit maximierten Fenstern, so dass nie die Notwendigkeit besteht, die Fenstergröße zu ändern?
Immerhin kann man nun wie unter Windows 7 (und Ubuntu 11.04) ein Fenster an einen Rand verschieben, so dass es dann exakt den halben Bildschirm füllt.
Hurra -- man darf sein Fenster weiterhin minimieren: per Kontextmenü in der Titelzeile des Fensters! Dafür muss ich den Gnome-Entwicklern sicher dankbar sein.
Ist es wirklich so abwegig, dass ich ein Terminal-Fenster, das ich gerade nicht brauche, minimieren und eben gerade nicht schließen möchte? Auf den Maximieren-Button kann ich gerne verzichten, aber wer die Idee hatte, auch den Minimieren-Button zu eliminieren, lebt offensichtlich in einer anderen Desktop-Welt als ich. Abhilfe: Führen Sie im Terminal das folgende Kommando aus:
gconftool-2 --set /desktop/gnome/shell/windows/button_layout --type string ":minimize,maximize,close"
Damit die geänderte Einstellung wirksam wird, müssen Sie die Gnome Shell neu starten: Alt+F2 r Return
Bedienung per Tastatur
Auch wenn mich manche Unity-Details nicht begeistern konnten -- in einem Punkt ist Unity Gnome 3.0 weit überlegen: in der Tastaturbedienung. Insbesondere die konsequente Nutzung der Windows-Taste ist in Unity gut gelungen. Unter Gnome 3.0 kann man mit dieser Taste lediglich zwischen der Standardansicht und der Desktop-Übersicht (Exposé) hin- und herwechseln. Die Desktop-Übersicht ist zwar wirklich übersichtlich, die Aktivierung eines Fensters oder anderen Desktop-Elements erfordert aber die Maus. Immerhin kann in der Desktop-Übersicht sofort die Suchfunktion verwendet werden, um beispielsweise ein neues Programm zu starten.
Ziemlich umständlich ist der Fensterwechsel per Tastatur, wenn von einem Programm mehrere Fenster offen sind. Alt+Tab wechselt nämlich nun zwischen Programmen, nicht zwischen Fenstern. (Dieses Konzept verfolgt Mac OS X schon lange, und auch Apple hat mich nicht überzeugen können, dass das eine gute Idee ist.) Ist das richtige Programm einmal gefunden, kann das Fenster mit Alt und den Cursor-Tasten ausgewählt werden. Das ist aber nichts für ungeduldige Leute. Die Lösung dieses Problems heisst Alt+Esc (funktioniert im Wesentlichen so, wie früher Alt+Tab).
Eine gute Zusammenstellung der wichtigsten Tastenkürzel sowie diverser Maustechniken zur Bedienung von Gnome 3.0 gibt das GnomeShell/CheatSheet. Weitere Tastenkürzel finden Sie in den Systemeinstellungen, Modul Tastatur, Dialogblatt Tastenkürzel.
Tastaturlayout ändern
Recht lange gesucht habe ich nach einer Möglichkeit zur Veränderung des Tastaturlayouts. Sie befindet sich im Dialogblatt Belegungen des Moduls Region und Sprache der Systemeinstellungen. (Logischer wäre es wohl gewesen, dieses Dialogblatt im Modul Tastatur unterzubringen.)
Wie dem auch sei: Mit dem '+'-Button kann man nun eine neue Belegung hinzufügen. Das von mir gewünschte Layout für eine Apple-Tastatur befindet sich allerdings nicht bei den vielen 'Deutsch (xxx)'-Einträgen, sondern ist unter den 'German (xxx)'-Einträgen versteckt. Grummel!
Ausschalten
Wer seinen Rechner ausschalten möchte (und nicht nur in einen Bereitschaftsmodus versetzen, aus dem er bei vielen Rechnern nicht stabil wieder aufwacht ...), muss im Menü Mein Name ganz rechts im Panel die Alt-Taste drücken. Nur dann wird im Menü der Eintrag Bereitschaft durch Ausschalten ersetzt.
Wer das nicht weiß, wird nie auf diese Idee kommen! Soviel Platz wäre auch noch gewesen, um neben Bildschirm sperren, Benutzer wechseln, Abmelden und Bereitschaft einen weiteren Menüeintrag Ausschalten immer anzuzeigen. Oder?
Fazit
Eigentlich ist mein Resümee ganz ähnlich wie bei Unity: Gnome 3.0 sieht schön aus, und mit der Zeit gewöhnt man sich zweifelsfrei an (fast) alles. Aber ich bezweifle, dass Computer-Einsteiger sich mit Gnome 3.0 leichter tun als mit Gnome 2.0. Und auch als Computer-Experte sehe ich kaum offensichtliche Vorteile, wenn man einmal von der schöneren visuellen Gestaltung absieht.
