Michael Koflers Blog
Sackgasse LaTeX?
Seit vielen Jahren schreibe ich die meisten meiner Bücher mit LaTeX. Zwar ist die Layout-Bastelei oft mühsam, ansonsten ist LaTeX für meine Anforderungen aber perfekt geeignet -- egal, ob das Buch 100 oder 1000 Seiten umfasst. Erst seit ich versucht habe, aus meinen LaTeX-Quelltexten eBooks in den Formaten ePub oder AZW (Amazon) zu erzeugen, zweifle ich an der Zukunft von LaTeX.
LaTeX liefert als Ergebnis wahlweise PostScript- oder PDF-Dateien, die sowohl für den Buchdruck als auch für die Weitergabe als PDF-Dokument gut geeignet sind. Moderne eBook-Formate basieren aber durchwegs auf HTML.
Nun gibt es durchaus keinen Mangel an LaTeX-zu-HTML-Konvertern. Das Problem ist nur, dass ich keinen einzigen Konverter gefunden habe, der auch nur einigermaßen praxistauglich ist. Reale LaTeX-Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Autoren diverse LaTeX-Erweiterungspakete sowie selbst definierte Makros verwenden. Und genau an diesem Punkt sind alle von mir getesteten Konverter kläglich gescheitert.
Als ich vor zwei Monaten zwei meiner eBooks in das Amazon-Format AZW umgewandelt habe, bin ich einen Umweg über Pandoc gegangen. Pandoc enthält zwar selbst eine Funktion zum LaTeX-Import, diese hat sich aber als ebenso unbrauchbar erwiesen wie alle übrigens LaTeX-zu-HTML-Konverter. Erst mit diversen sed-Scripts und einer Menge Handarbeit ist es mir gelungen, meine LaTeX-Quellen in den Pandoc-Markdown-Syntax umzuwandeln. Pandoc kann dann daraus ein HTML5-Dokument erzeugen, das wiederum weitgehend problemlos von den Kindle-Authoring-Werkzeugen in das AZW-Format übersetzt werden kann.
Kurzum: Der Weg von LaTeX in ein modernes eBook-Format ist steinig und mit soviel manuellem Aufwand verbunden, dass er sich selten lohnt. (Rechenaufgabe: Die Umwandlung eines LaTeX-Manuskripts in ein Kindle-eBook beansprucht bei einer Textmenge von ca. 150 Seiten ca. zwei Tage. Pro verkauftem Exemplar erhalten Sie z.B. 5 EUR. Wieviel Stück müssen Sie verkaufen, damit Sie einen angemessenen Stundenlohn für die eBook-Umwandlung erzielen? In den meisten Fällen weit mehr, als zu erwarten ist ...)
An eBooks geht kein Weg mehr vorbei. Als Autor oder Verlag brauchen Sie also ein Werkzeug, das gleichermaßen in der Lage ist, qualitativ hochwertige PDF-Dokumenten für den Druck als auch funktionierende und ansprechend gestaltete HTML-Dokumente für die Weiterverarbeitung in die diversen eBook-Formate zu erzeugen.
Word und OpenOffice/LibreOffice aber auch Apples neuer iBook Author scheitern am ersten Punkt, LaTeX versagt am zweiten. Das schon erwähnte System Pandoc, dem ich demnächst einen eigenen Blog-Beitrag widmen werde, ist auch nur ein Kompromiss: es liefert zwar bei Bedarf sowohl LaTeX- als auch HTML-Output, aber auch in diesem Fall ist eine Menge manuelles Nacharbeiten erforderlich. Professionelle Publishing-Werkzeuge (z.B. Adobe Impress) sind nicht nur teuer, sondern überdies kaum zum Schreiben geeignet, weil sie als Werkzeuge rein zum Setzen/Publizieren konzipiert sind.
Sie sehen schon: Dieser Blog-Beitrag beschreibt die Frage, gibt aber keine Antwort. Lösungsvorschläge werden gerne angenommen (verwenden Sie die Kommentar-Funktion!).
Der Umweg über HTML ist für meine Augen schwierig (ich war mit meinem LaTeX zu HTML Konverter zufrieden) und auch verlustbehaftet... LaTeX muss zukunftsfähig bleiben - jetzt sind die Programmierer gefragt!
besten Gruß J.
also ich habe nur sehr gute Erfahrungen mit Tex4ht gemacht. Damit konnte ich bisher jede LaTeX Quelle in ein gutes HTML konvertieren. Wenn es nicht geklappt hat, was warenn denn die Probleme? link
Gruß Bastian
Grüsse - Nils