Im April oder Mai 2026 habe ich einen denkwürdigen Meilenstein erreicht: Laut meinen Aufzeichnungen wurden eine Million meiner Bücher verkauft. Ein guter Anlass für einen beruflichen Rückblick und ein Dankeschön!

Die erste Million fällt zufälligerweise mit einem anderen Jubiläum zusammen: Vor 40 Jahren habe ich mit der Arbeit an meinem ersten Buch begonnen, dem Atari ST Grafikbuch (mehr Details hier). Dieses Buch war ein Mittelding zwischen Abenteuer, Hobby und Ferialjob. Nie hatte ich damals gedacht, dass das Schreiben zu meinem Beruf werden könnte.

Während meines Elektrotechnik-Studiums folgten weitere Bücher zu GfA-Basic, Visual Basic und Mathematica (ein Computer-Algebra-Programm). Die Bücher habe ich überwiegend in den Sommerferien geschrieben. Charakteristisch für diese Zeit war meine grenzenlose Begeisterung für die IT:
- Der erste, zweite, dritte Computer! (1984: Oric 1, 1986: Atari ST, vermutlich 1990: der erste PC von Vobis)
- Das erste Programm in Maschinencode (6502) bzw. Assembler (Motorola 68000)!
- GfA-Basic, ein für die damalige Zeit modernes Basic samt vernünftigem Editor.
- Dann Visual Basic! Mir war sofort klar, welches Potenzial diese (beinahe erste) grafische IDE hatte.
- Mathematica! Da hatte ich jahrelang Mathematikvorlesungen besucht, integrieren und Differenzialgleichungen lösen gelernt, und plötzlich gab es ein Programm, das symbolisch rechnen konnte! Aus damaliger Perspektive war das so eindrucksvoll wie vor wenigen Jahren das erste Mal ChatGPT auszuprobieren.
Ich empfand es großartig, diese Programme erkunden und dokumentieren zu dürfen — und damit auch noch Geld zu verdienen. Software mit all ihren Stärken und Schwächen zu beschreiben, wie sie in der Praxis wirklich funktionierten. (Halten Sie sich die Zeit vor Augen: Es gab damals noch kein öffentlich zugängliches Internet. Die einzige Dokumentation war ein mitgeliefertes, meist miserables Handbuch. Vereinzelt noch Zeitschriftenartikel.)
Erst mit Abschluss von Studium und Zivildienst stellte sich die Frage: Weiter schreiben oder einen »richtigen« Beruf ergreifen? Ich entschied mich für die Selbstständigkeit — und hatte Glück: Zwei, drei Jahre später überschritt ich mit Visual Basic 3 zum ersten Mal die 10.000-Stück-Auflage.
Aus meiner Sicht begann damals ein goldenes Zeitalter. Das Interesse an der IT war riesig, und ich hatte (zumindest manchmal) einen guten Riecher für die spannendsten Themen. Für wenige Jahre war ich Bestseller-Autor, zumindest im Maßstab von IT-Büchern.

Eine erste berufliche Zeitenwende war das Internet. Plötzlich gab es kostenlose, stets aktuelle Information — eine gewaltige Konkurrenz zu Büchern. Die Verkaufszahlen sanken, aber der Internet-Hype, stets neue Programmiersprachen, der Durchbruch von Open-Source-Software schufen gleichzeitig neue Möglichkeiten.
Die Ausgesetztheit und das Risiko des selbstständigen Arbeitens wurden mir erstmals 2013 vollständig klar. Addison-Wesley, der Verlag, für den ich über 20 Jahre praktisch exklusiv geschrieben hatte, wurde innerhalb von Monaten abgewickelt und geschlossen. Ich hatte damals den Verdacht, dass die Zeit der IT-Bücher vorbei wäre. Erfreulicherweise fand ich beim Rheinwerk Verlag (ehemals Galileo Press) eine neue Heimat und bin dort sehr glücklich (siehe auch hier).
Mit ChatGPT & Co. hat ein neuer Umbruch begonnen: KI-Tools stellen die ganze IT-Branche auf den Kopf und verkleinern das Zielpublikum für Coding-Bücher dramatisch. Natürlich ergeben sich auch damit neue Chancen. Unser Buch Coding mit KI steckt ab, was aktuell technisch möglich ist — und das ist absolut faszinierend! In gewisser Weise schließt sich mit dem Thema »Künstliche Intelligenz« der Kreis dieses Rückblicks: Die Faszination, die ich als Jugendlicher für die ersten Computer empfand, ist nach wie vor da. Heute richtet sie sich auf die Möglichkeiten, die KI-Tools bieten. Was wird morgen kommen?
Danke!
Leserinnen und Leser: Hätten Sie nicht immer wieder meine Bücher gekauft, auf Amazon hoch bewertet und in Ihrem beruflichen und privaten Umfeld weiterempfohlen, wäre mein berufliches Dasein nicht möglich gewesen. Danke, danke, danke!
Verlag/Lektorat/Herstellung: Ich schreibe meine Bücher selbst (im KI-Zeitalter ist das ja nicht mehr selbstverständlich), aber ein Buch entsteht doch nie alleine. Einen ganz wesentlichen Einfluss hat der Verlag und dort speziell das Lektorat. Es spricht bei der Planung des Buchs, bei der inhaltlichen Ausrichtung, der Korrektur, dem Layout, dem Titelbild, beim Marketing und der Werbung mit. Ohne die Mithilfe des Verlags sind erfolgreiche Bücher praktisch unmöglich.
Im Verlauf von vier Jahrzehnten hatte ich durchwegs großartige und engagierte Lektorinnen und Lektoren, von denen ich die wichtigsten hier namentlich nennen möchte: Norbert Hesselmann (der Lektor meines ersten Buchs, Sybex), Irmgard Wagner und Boris Karnikowski (beide prägten meine Zeit bei Addison-Wesley) sowie Sebastian Kestel und Christoph Meister (beide waren/sind im Rheinwerk Verlag tätig).
Eine besondere Rolle im Verlag nimmt die Herstellung ein: Diese Abteilung des Verlags ist verantwortlich dafür, dass Bücher in ordentlichem Layout gesetzt und dann gedruckt werden, dass E-Books in allen erdenklichen Formaten zur Verfügung stehen usw. Aus historischen Gründen setze ich die meisten Bücher selbst, früher mit LaTeX, jetzt mit einem Docker-Setup bestehend aus Markdown, Pandoc und LuaTeX. Dass ich selbst setzen kann und darf, ist ein absoluter Sonderfall; ich bedanke mich ausdrücklich bei Norbert Englert (Rheinwerk Verlag) für seine Unterstützung.

Co-Autoren: Im Lauf der Zeit habe ich ein halbwegs solides IT-Wissen erworben, aber es gibt doch Grenzen :-) Viele meiner Bücher wären/sind ohne die Team-Arbeit mit Co-Autoren unmöglich. Die zahlreichen Kooperationen waren immer äußerst produktiv und für mich sehr lehrreich. Mit Bernd Öggl (erster gemeinsamer Titel 2004: PHP und MySQL) ist daraus sogar eine langjährige berufliche Zusammenarbeit und private Freundschaft entstanden.
Antworten auf Fragen, die Sie nie gestellt haben
Kann man vom Bücherschreiben leben? Normalerweise nicht, in meinem Fall schon. Die ersten Jahre war das Schreiben von Computer-Büchern ein Mittelding zwischen Hobby und einem netten Zuverdienst neben dem Studium. Danach wurde das Schreiben mein Beruf; seit über 30 Jahren sind Bücher meine Haupteinnahmequelle. Einige Jahre habe ich (für meine Begriffe) großartig verdient, die restliche Zeit ganz passabel.

Macht das wirklich Spaß? Ja! Je neuartiger das Thema, desto besser. (Die zehnte Überarbeitung eines Buchs ist zugegebenermaßen weniger lustig.) Ich bin ja nicht ausschließlich Autor, sondern unterrichte gelegentlich an einer Fachhochschule, entwickle Software und administriere Server. Aber bei weitem die liebste Tätigkeit ist für mich das Konzipieren eines neuen Buchs, das Recherchieren und Ordnen von Informationen, das Verfassen von verständlichen Anleitungen und Erklärungen. Noch ein Argument für das Schreiben: die freie Zeiteinteilung. Kurz und gut: Ich habe es immer als Privileg empfunden, vom Schreiben leben zu können.
Stimmt das mit der Million überhaupt? Ich bekomme je nach Verlag viertel-, halb- oder ganzjährig Abrechnungen mit Verkaufszahlen. Diese landen in einer großen LibreOffice-Calc-Datei. 95% der Million sind so belegt. Der Rest entfällt auf E-Books und Übersetzungen, für die ich zwar Geld, aber keine detaillierten Abrechnungen erhalten habe. Ich habe die Zahlen konservativ geschätzt, aber ich gebe zu: Ganz genau kann ich es nicht sagen. Vielleicht habe ich die Million schon im Februar erreicht, vielleicht ist es erst im Juli so weit. Ich denke, es spielt keine Rolle.
Welche Bücher haben sich am besten verkauft? Auf Platz eins steht natürlich mein Linux-Buch, dessen zahlreiche Auflagen fast ein Drittel zur Million beitrugen. Andere Bestseller waren Visual Basic, Raspberry Pi, Excel VBA, Hacking & Security und der Python-Grundkurs.
Wie geht es weiter? Wenn es nach mir geht: Auf zur nächsten Million! Realistisch gesehen haben IT-Fachbücher aber ihren Zenit überschritten. Speziell Programmiertitel kämpfen gegen die KI-Konkurrenz. IT-Studien leiden unter sinkenden Studentenzahlen. Konkret heißt das: Es wird Neuauflagen bzw. neue Bücher geben, solange Sie sie kaufen :-)
PS: Bitte nehmen Sie sich hin und wieder Zeit für eine kurze Rezension! Das ist ein Zeichen der Wertschätzung für mich und eine Orientierungshilfe für andere. Ja, auch wenn die Links zu Amazon von dieser Website verschwunden sind, gerne dort. Auf Amazon werden die Rezensionen nämlich gelesen, selbst von Leuten, die dort nicht bestellen.
Recht herzlichen Glückwunsch, Michael ! Ich verneige mich in Andacht vor dieser Leistung. Hier in Frankreich hab ich mit meinen fünf Linux-Fachbüchern geschätzte 1% von deiner Million geschafft, also grob geschätzt etwa 10.000 Exemplare (auf die ich nichtsdestotrotz sehr stolz bin).
Ich hab neulich mit meiner Verlegerin beim französischen Verlag Eyrolles über die Krise bei Fachbüchern diskutiert. Und bei meinen Studenten an der Fachhochschule hier in Südfrankreich merke ich : es werden kaum mehr Bücher gelesen. Wir Papiertiger sind offenbar eine im Aussterben begriffene Spezies.
Liebe Grüsse aus dem sonnigen Südfrankreich,
Niki