Erfahrungsbericht Monitor Lenovo T27p

Es ist sonst nicht meine Art, Produkte zu testen und darüber zu berichten. Aber da es zu meinem neuen Monitor, einem Lenovo T27p-10, momentan kaum Testberichte gibt, mache ich hier eine Ausnahme. Für Ungeduldige die Kurzfassung: Die Bildqualität ist gut, aber die USB-C-Funktionen sind enttäuschend.

Technische Daten: 27 Zoll, 4k-IPS-Panel, USB-C/DisplayPort/HDMI 2, Ständer mit Höhenverstellung und Pivot-Funktion

Mehr Produktdetails, Bilder etc.: Lenovo

Datenblatt: via Geizhals

Handbuch: Lenovo Support-Seite

Preise: geizhals, edustore.at

Traum …

Der Monitor ersetzt einen schon etwas älteren Asus PB287Q (Herstellerseite mit TN-Panel. Der Lenovo-Monitor hat hingegen ein IPS-Panel mit etwas mehr Helligkeit (350 cd/m2 anstelle von 300 cd/m2 laut Datenblatt). Er liefert, wenig überraschend, ein viel besseres Bild. So weit, so gut.

Der Lenovo T27p verfügt über drei Signaleingänge: USB-C, DisplayPort und HDMI. Der USB-C Eingang ist mit einem USB-Hub verbunden und unterstützt laut Datenblatt USB-Charging mit bis zu 75 W. In meiner naiven Vorstellung dachte ich, ein USB-C-Kabel zwischen meinem Notebook (Lenovo P1 mit 2 x Thunderbolt) und dem Monitor würde reichen, um

  • den Bildschirminhalt (4k@60 Hz) zum Monitor zu übertragen,
  • das Notebook zu laden und
  • diverse USB-Geräte (Maus, Tastatur und Backup-Festplatte) via Monitor anzuschließen.

Falsch gedacht.

… und Wirklichkeit

In der Realität gibt es bei meinem Setup zwei fundamentale Probleme. Eines ließ sich lösen, das andere nicht.

4k nur mit 30 Hz? Das erste Ärgernis bestand darin, dass der Monitor 4k via USB-C nur mit 30 Hz anzeigte. Ich hatte mir eigentlich 60 Hz erwartet. Auf die richtige Spur brachte mich erst der ausgezeichnete Blog-Artikel Explaining 4K 60Hz Video Through USB-C Hub. Die Kurzfassung: Ein USB-C/Displayport-Kabel schafft immer 4k@60Hz. Bei USB-C-zu-USB-C gibt es dagegen zwei Varianten: Wenn Sie mit USB 2 zufrieden sind, dann sind 4k@60 Hz möglich. Wollen Sie dagegen USB 3, dann beansprucht USB 3 zwei der vier Signal-Leitungen des Kabels. Die anderen zwei bleiben für Display Port übrig, reichen aber nur für 4k@30Hz. (Tatsächlich gibt es im Handbuch des Monitors einen versteckten Hinweis auf diese Einschränkung — siehe S. 2-7 in der englischen Fassung.)

Im OSD-Menü des Monitors können Sie zwischen USB 2 und USB 3 umschalten. Ich dachte zuerst, USB 3 wäre besser — aber das ist in diesem Fall eben der entscheidende Irrtum. Wenn Sie 4k@60Hz haben wollen, müssen Sie den USB-Hub des Monitors auf USB 2 stellen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Geschwindigkeit. Für Tastatur und Maus reicht USB 2, aber externe Datenträger auf USB 2 zu bremsen ist keine so tolle Idee. Für eine optimale Geschwindigkeit müssen die weiter direkt mit dem Notebook verbunden werden.

4k@60Hz via USB-C funktioniert nur mit der Einstellung »USB Source Selection = USB 2.0«. eingestellt.

USB Charging: Das zweite Ärgernis betrifft die Stromversorgung des Notebooks über das USB-C-Kabel. Zumindest für mein Lenovo-Notebook funktioniert die Ladefunktion leider nicht.

Lenovo macht diesbezüglich eher vage Angaben. Auf der Produktseite heißt es: delivers one cable connection for power, data, video and audio to compatible devices. Die Frage ist: Welches sind kompatible Geräte? Mein Lenovo-Notebook gehört anscheinend nicht dazu. (Mit einem 65-W-USB-C-Netzteil lässt sich das Notebook dagegen sehr wohl laden, die Funktion ist also Notebook-seitig nicht defekt.)

Im Datenblatt findet sich bei genauem Lesen eine weitere Einschränkung: The Smart Power function intelligently detects overall power consumption and dynamically manages the power delivery to each device. 75W power delivery can be achieved when downstream USB ports are not connected and OSD brightness setting is <61. Ich habe natürlich entsprechende Tests durchgeführt, alle Geräte vom USB-Hub entfernt und die Helligkeit entsprechend moderat eingestellt. Es hilft nichts. Das OSD-Menü behauptet zwar, 75 W Leistung zur Verfügung stellen zu können, im Notebook kommt aber nichts davon an.

Das OSD-Menü behauptet, dass der Monitor 75 W Leistung zur Verfügung stellt. Schön wäre es …

Fazit

Der Monitor an sich ist gut, das Preis/Leistungsverhältnis erscheint mir OK (im Okt. 2019 EUR 390 auf edustore.at), drei Jahre Garantie sind überdurchschnittlich.

Der Kabelsalat am Schreibtisch hat sich aber leider nur marginal verbessert. Hier verspricht Lenovo mehr, als es halten kann. (Mit Schuld ist natürlich auch die USB-Spezifikation, die viel zu viel Varianten vorsieht und diverse Sonderfälle offen lässt. Gerade beim Laden via USB-C ist es ein Lotteriespiel, ob zwei Geräte miteinander kooperieren. Aber man hätte eigentlich erwarten können, dass zumindest die Kombination Lenovo-Monitor <--> Lenovo-Notebook funktionieren würde.)

Hilfreich wäre auf jeden Fall, wenn sich Lenovo sowohl auf bei der Produktbeschreibung als auch im Handbuch die Mühe machen würde, die Spezifikationen und Einschränkungen ordentlich zu dokumentieren, inklusive der Bedeutung der diversen Optionen im OSD-Menü.

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