Ubuntu 21.04

Ubuntu 21.04 (»Hirsute Hippo«) ist fertig. Auf meinem Hauptrechner läuft es schon seit zwei Wochen (nachdem ich Ubuntu 20.10 übersprungen und nur in virtuellen Maschinen ausprobiert habe). Dieser Artikel fasst die wichtigsten Neuerungen zusammen.

Update 28.4.2021: Suspend-Probleme (siehe eigenen Abschnitt), Hinweis auf Raspberry Pi

Das Wallpaper von Ubuntu 21.04

  • Ubuntu ist bei Gnome 3.38 geblieben und hat das Update auf Version 40.0 nicht nachvollzogen. Der Hauptgrund ist vermutlich das neue Gnome-Layout, das zu den Ubuntu-eigenen Shell-Erweiterungen (und insbesondere zur dauerhaft am linken Rand angezeigten Task-Leiste) inkompatibel ist. Ich muss zugeben, dass ich Ubuntu in diesem Punkt verstehe: Gnome 40 sieht auf einem kleinen Notebook-Monitor großartig aus, bringt mich aber auf meinem Arbeitsplatz (28-Zoll-Monitor mit 4k) zum Verzweifeln. Mir erscheint der Gnome-Weg einmal mehr fundamentalistisch. Wir wissen, wie es richtig ist, alle müssen es jetzt so machen … (Ich werde demnächst beim Fedora-34-Blog-Beitrag mehr dazu schreiben.)

  • Aufgrund einer neuen Shell Extension funktioniert das Ablegen von Icons am Desktop anscheinend besser als bisher. Da ich dieses Funktion nie verwende und mir auch rätselhaft ist, warum man Icons auf den Desktop platziert, die dann doch unter allen Fenstern verschwinden, kann ich dazu nicht viel sagen.

  • Ubuntu verwendet jetzt standardmäßig Wayland. Dieser Aussage müssen natürlich gleich ein paar Einschränkungen folgen: Zum einen gilt dies nur für das »Haupt-Ubuntu«, nicht aber für die meisten Derivate. Und zum anderen sind Wayland und die NVIDIA-Treiber weiterhin inkompatibel zueinander. Wer also eine NVIDIA-Grafikkarte samt proprietären Treiber verwendet, kommt weiter in den Genuss von X.

  • Die Heimatverzeichnisse sind jetzt besser geschützt. Bisher waren die Zugriffsrechte oktal mit 755 voreingestellt, d.h. prinzipiell konnte jeder in die Home-Verzeichnisse anderer Personen hineinschauen (r-x für others). Nunmehr lauten die Zugriffsrechte 750, was sicherer ist.

  • Wenn Sie sich bei der Installation von Ubuntu für die Verschlüsselung des Dateisystems entscheiden, zeigt das Setup-Programm in einem überarbeiteten Dialog einen Recovery-Key an, den Sie verwenden können, sollten Sie Ihr Verschlüsselungspasswort vergessen.

Wenn Sie das Dateisystem verschlüsseln, offeriert das Installations-Programm jetzt einen Recovery-Key.
  • Snap ist weiterhin standardmäßig aktiv. Interessanterweise sind zwar einige Snap-Bibliotheken installiert, aber außer dem Snap-Store (einer Variante des Gnome-Programms Software) kein einziges Programm. (In der Vergangenheit hat Ubuntu einige Gnome-Standardprogramme als Snaps verpackt, wobei ich den Grund nie verstanden habe. Damit ist jetzt offenbar Schluss.)
snap list

Name               Version             Revision  Tracking         Herausgeber  Hinweise
---------------------------------------------------------------------------------------
core18             20210309            1997      latest/stable    canonical✓   base
gnome-3-34-1804    0+git.3556cb3       66        latest/stable/…  canonical✓   -
gtk-common-themes  0.1-52-gb92ac40     1515      latest/stable/…  canonical✓   -
snap-store         3.38.0-59-g494f078  518       latest/stable/…  canonical✓   -
snapd              2.49.2              11588     latest/stable    canonical✓   snapd

Versionsnummern

Basis             Desktop             Programmierung   Server
---------------   ------------------  --------------   --------------
Kernel     5.11   Gnome        3.38   bash       5.1   Apache     2.4
glibc      2.33   Firefox        87   docker   20.10   CUPS       2.3
X-Server   1.20   Gimp         2.10   gcc       10.3   MySQL      8.0
Wayland    1.18   LibreOffice   7.1   Java        11   OpenSSH    8.4
Mesa       21.0   Thunderbird    78   PHP        7.4   qemu/KVM   5.2
Systemd     247                       Python     3.9   Postfix    3.5
NetworkMan 1.30                                        Samba     4.13
GRUB       2.04 

Gnome wird genaugenommen nicht konsequent in Version 3.38 ausgeliefert. Vielmehr gibt es vereinzelte Pakete, die neuer sind (gnome-calculator, gnome-font-viewer etc.) und solche, die älter sind (gnome-keyring, libgnome-bluetooth). Bei Bedarf können Sie sich mit dpkg -l | grep gnome rasch selbst einen Überblick verschaffen.

Ubuntu auf dem Raspberry Pi

Die Vollversion von Ubuntu 21.04 läuft auch auf aktuellen Raspberry-Pi-Modellen — vorausgesetzt, diese sind mit 4 GB RAM ausgestattet. Ubuntu funktioniert trotz der eingeschränkten Hardware erstaunlich gut. Einen Erfahrungsbericht finden Sie auf pi-buch.info.

Fazit

Wie gesagt, ich verwende nun seit fast zwei Wochen dauerhaft Ubuntu 21.04. Reale Unterschiede, die bei meiner täglichen Arbeit spürbar wären, habe ich nicht bemerkt. Weder optisch noch funktionell hat sich (für mich) etwas getan. Was die Stabilität betrifft, bin ich genau so zufrieden wie mit 20.04 — und das ist ein gutes Zeichen.

Von einem winzigen Ärgernis kann ich berichten: Aus irgendeinem Grund scheint die Spotify-App (ich verwende normalerweise das Debian-Paket, nicht das Snap-Paket) nicht mehr so recht zu funktionieren. Sie weigert sich, auf meinem Rechner Musik abzuspielen. Ich habe mir bisher nicht die Mühe gemacht, dem Problem auf den Grund zu gehen. Die App war nie eine Offenbarung. Spotify funktioniert im Browser ebenso gut.

Ubuntu 21.04 mit Gnome-3.38-Dekstop und einigen offenen Fenstern

Intel Undervolting führt zu Suspend-Problemen (Update 26.4.2021)

Mittlerweile ist doch ein Problem aufgetreten — aber Ubuntu ist daran unschuldig. Ich verwende intel-undervolting (siehe GitHub). Zusammen mit aktuellen Kernel-Versionen führt das zur Fehlermeldung Write to unrecognized MSR 0x150 und in weiterer Folge dazu, dass Suspend nicht mehr funktioniert: Failed to change runlevel. Transaction for reboot.target/start is destructive (intel-undervolt.service has ’start‘ job queued, but ’stop‘ is included in transaction. Ich habe jetzt in /etc/default/grub die folgenden Änderungen eingebaut:

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="msr.allow_writes=on"
GRUB_CMDLINE_LINUX="msr.allow_writes=on"

Einstweilen scheint das auszureichen. Längerfristig wird der Linux-Kernel aber MSR-Writes ganz unterbinden. Spätestens dann braucht es ein Update für intel-undervolt, oder das Tool wird nicht mehr funktionieren. Hintergründe:

https://github.com/kitsunyan/intel-undervolt/issues/55
https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/tip/tip.git/about/

Quellen / Links / Andere Tests

5 Gedanken zu „Ubuntu 21.04“

  1. Ich verwende gern Ordner auf dem Desktop, wo ich meine aktuelle Arbeit finde. Dann weiß ich immer was ich machen muss. Getane Arbeit verschwindet vom Desktop.

  2. Auch ich arbeite so wie Abbc. Ich lege auf dem Desktop Dateien ab, die ich bearbeiten muss, manchmal sind es auch lediglich Verknüpfungen. Ist die Arbeit getan, verschwinden die von der Arbeitsfläche. Das war auch der Grund, warum ich mich kurz nach der Einführung von KDE 4 für Gnome 2.xx entschieden habe.

  3. Hi Michael,

    danke Dir für den Beitrag! Ich verwende, wie Du, ein Lenovo P1 Gen2, derzeit mit Manjaro/Gnome. Dies ist jedoch mittlerweile für einen Arbeitsrechner zu „Cutting-Edge“ für mich, daher überlege ich auf Ubuntu zu wechseln.

    Sofern Dein Hauptrechner auch der P1 ist und Du Erfahrungen hier hast, würde mich interessieren wie Du die Stabilität (gerne auch im Zusammenhang mit USB-C Docks) erfahren hast.

    Würde mich freuen wenn Dir Dir die Zeit für einen Kommentar dazu nehmen würdest, danke Dir!

    1. Ich habe ein P1 gen1, insofern mit Vorbehalt …

      Ich verwende außerdem kein Dock, aber einen Monitor mit USB-C. Funktioniert, wobei ich an den Monitor nur Maus + Tastatur angeschlossen habe.

      Mit 21.04 hatte ich zuletzt wieder einmal NVIDIA-Problem. Aus irgendeinem Grund will der NVIDIA-Treiber aktuell nicht laden. Das ist gar nicht so schlimm, weil die Nouveau-Treiber mittlerweile auch gut genug sind. (Insofern habe ich mir bisher nicht die Mühe gemacht, die NVIDIA-Installation wiederherzustellen — irgendwie muss es ja gehen.)

      Mit Nouveau habe ich die Wahl zwischen Xorg + Wayland. Wayland funktioniert verblüffend problemlos, allerdings muss ich zum Unterricht manchmal M$ Teams ausführen. Das Programm kann aber keinen Wayland-Bildschirm teilen.

      Dann eben Xorg. Funktioniert auch gut, aber da tritt ein Problem beim Ein-/Ausschalten des Zweitdisplays auf. Beim Unterrichten teile ich den Notebook-Screen (+ Kamera) und verwende parallel meinen USB-C-Bildschirm. Nach dem Unterrichten klappe ich den Notebook-Bildschirm zu, dann läuft nur mehr der externe Bildschirm. Und genau unter diesen Umständen wird X dann auf einmal unendlich langsam, keine Ahnung warum. Abhilfe: Ausloggen, neu Einloggen, zurück zu Wayland.

      Bis vor ein paar Wochen unter Ubuntu 20.04 war der NVIDIA-Treiber + Xorg aktiv, da hatte ich die Probleme nicht.

      Kurz und gut: Ärger macht immer NVIDIA. Als ich mein Notebook gekauft habe, habe ich kein Gerät gefunden, das viel Leistung OHNE NVIDIA bot und habe in den sauren Apfel gebissen. Und grundsätzlich ist es auch OK, kein Hindernis war bisher unüberwindbar.

      Aber würde ich mir heute ein Notebook kaufen, würde ich eines mit AMD-CPU ohne dezidierte Grafikkarte nehmen. (Einziger Nachteil: Kein Thunderbird.) Das P1 gibt es leider nicht mit AMD. P1-Argumente für mich waren zwei RAM- und zwei PCIe-SSD-Steckmöglichkeiten. Außer bei irgendwelchen Gaming-Notebooks ist das sonst extrem selten, vor allem in einem einigermaßen kleinen Gehäuse.

      Update 11.5.: Bin nach einer manuellen Installation (apt install nvidia-driver-460) wieder zurück bei NVIDIA und X.

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