AlmaLinux

Vor ein paar Monaten habe ich über das Ende von CentOS lamentiert. Mittlerweile habe ich mich ganz gut mit Oracle Linux arrangiert, und seit ein paar Tagen gibt es eine weitere Alternative: AlmaLinux OS. Dieser RHEL-Klone wurde von der Firma CloudLinux zusammengestellt. CloudLinux verspricht, AlmaLinux bis 2029 zu warten — also so lange wie RHEL und vorauss. rund fünf Jahre länger als CentOS Stream.

Heute habe ich eine Minimalinstallation in einer virtuelle Maschine vorgenommen. Was soll man sagen? Wenn man schon mit RHEL, CentOS und Oracle Linux gearbeitet hat, ist nicht viel Unterschied zu sehen. Das Installer-Hintergrundbild sieht ein wenig anders aus, sonst läuft alles, wie gewohnt. Nach der Installation liefert cat /etc/os-release die folgenden Daten:

cat /etc/os-release 
NAME="AlmaLinux"
VERSION="8.3 (Purple Manul)"
ID="almalinux"
ID_LIKE="rhel centos fedora"
VERSION_ID="8.3"
PLATFORM_ID="platform:el8"
...

Einige Anmerkungen:

  • Die EPEL-Paketquelle kann wie unter CentOS ganz einfach mit dnf install epel-release aktiviert werden.

  • Vorhandene CentOS- oder Oracle-Linux-Installationen können bei Bedarf unkompliziert mit einem Migrations-Script auf AlmaLinux umgestellt werden.

  • Anders als auf heise.de angegeben ist AlmaLinux noch nicht SecureBoot-kompatibel. Diese Funktion ist in Arbeit, aber es gibt keinen konkreten Zeitrahmen. (Das Problem besteht wie für jede junge Distribution darin, Signatur-Schlüssel zu erhalten.)

  • Noch eher sparsam ist die Dokumentation. Aktuell führt eine Suche zu problem xy centos oder problem xy rhel eher zum Ziel als problem xy almalinux.

Ausblick

Auf den ersten Blick fühlt sich AlmaLinux exakt so an wie CentOS/RHEL/Oracle Linux. Die entscheidende Frage lautet nun: Kann AlmaLinux sich eine so gute Reputation wie CentOS erarbeiten (oder womöglich eine bessere)? Eine seriöse Antwort ist leider erst in ein paar Jahren möglich. CloudLinux muss jetzt seine Versprechen einlösen, AlmaLinux gut zu warten und aktuell mit Updates zu versorgen. Aktuell stehen die Zeichen gut. Die pünktliche Fertigstellung von AlmaLinux im 1. Quartal 2021, eine beachtliche Mirror-Liste, ein versprochenes Budget von einer Million US$ pro Jahr sowie bekannten Namen im Team (siehe das Press Release auf lwn.net) machen auf jeden Fall Hoffnung, dass es weiterhin Auswahl in der Welt der RHEL-Klone gibt. Erfahrene Administratoren werden sich vermutlich trotzdem abwartend verhalten und nicht sofort die wichtigsten Produktivsysteme auf AlmaLinux umstellen.

Quellen

2 Gedanken zu „AlmaLinux“

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