Ubuntu 20.10

Das herausstechende Merkmal des neuesten Ubuntu-Releases 20.10 (»Groovy Gorilla«) ist das Hintergrundbild: cool, mutig und ein wenig gruselig. Persönlich wollte ich das nicht jeden Morgen sehen, bevor alle meine Fenster den Desktop zukleistern. Andere sind sicherlich begeistert …

Der »Groovy Gorilla« im Desktop-Hintergrund

Davon abgesehen gibt es natürlich auch ein paar technische Neuerungen:

  • Während der Installation besteht die Möglichkeit, Ubuntu in ein Active Directory zu integrieren.

  • Ubuntu verwendet nun nftables als Firewall-Backend. (Viele andere Distributionen haben diesen Schritt schon früher vollzogen.) Aus Anwendersicht ändert sich dadurch nicht allzu viel: Das vertraute Kommando iptables kann dank einer Kompatibilitätsschicht weiterhin verwendet werden. Auch der Ubuntu-spezifische Firewall ufw funktioniert unverändert.

  • Diverse Software-Pakete wurden auf die gerade aktuelle Version aktualisiert (siehe die nachfolgende Versionsnummernübersicht).

  • Mit dem Gnome-Update gehen einige neue Funktionen einher: Besonders praktisch ist die Anzeige eines QR-Codes beim Einrichten eines WLAN-Hotspots. Das ermöglicht es, Smartphones ohne umständliche Eingabe des Passworts in das WLAN zu integrieren. Bei manchen Notebooks können Sie jetzt den Fingersensor für den Login verwenden. Außerdem lassen sich die Icons in der App-Übersicht nun wie auf einem iPad bequem in Gruppen ordnen. (Ich starte nur ganz selten Apps aus dieser Ansicht — insofern hält sich der Nutzen für mich in Grenzen.)

Bei meinen Tests hat sich Ubuntu 20.10 vollkommen unauffällig (und somit fehlerfrei) verhalten. Aktuell werde ich auf meinem Haupt-Notebook dennoch Ubuntu 20.04 LTS belassen. Wirklich zwingende Upgrade-Argumente habe ich keine gefunden. Am ehesten ist Ubuntu 20.10 interessant, wenn Sie ganz neue Hardware einsetzen und daher auf einen möglichst aktuellen Kernel angewiesen sind.

Versionsnummern

Basis             Desktop             Programmierung   Server
---------------   ------------------  --------------   --------------
Kernel      5.8   Gnome        3.38   bash       5.0   Apache     2.4
glibc      2.32   Firefox        81   gcc       10.2   CUPS       2.3
X-Server   1.20   Gimp         2.10   Java        11   MySQL      8.0
Wayland    1.18   LibreOffice   7.0   PHP        7.4   OpenSSH    8.3
Mesa       20.2   Thunderbird    78   Python     3.8   qemu/KVM   5.0
Systemd     246                                        Postfix    3.5
NetworkMan 1.26                                       Samba     4.12
GRUB       2.04 

Ubuntu am Raspberry Pi

In der Vergangenheit gab es schon diverse Ubuntu-Derivate, die für den Raspberry Pi optimiert wurden. Neu ist diesmal, dass die Vollversion von Ubuntu samt Gnome Desktop auf dem Raspberry Pi installiert werden kann. Das setzt allerdings nicht nur das aktuelle Modell 4B voraus, sondern auch eine Variante mit 4 oder 8 GB RAM. In meiner an sich reichhaltigen Raspberry-Pi-Kollektion fehlt ein so großzügig ausgestatteter Raspberry Pi aktuell leider, weswegen ich keine Tests durchführen konnte.

Quellen / Links / Andere Tests

9 Gedanken zu „Ubuntu 20.10“

  1. Neben Ubuntu (mit Gnome 3 Desktop) gibt es mittlerweile auch Ubuntu Mate 20.10 – beide als 64bit und in der Lage, direkt von USB zu booten (entsprechendes Firmwareupdate vorausgesetzt).
    Von der Leistung her empfiehlt Mate sich eher als Gnome 3 für den Raspi 4 (oder den neuen Raspi 400), bei 1 oder 2GB ist das Raspberry Pi OS (32bit) nach wie vor die erste Empfehlung. ;)
    Ubuntu und Ubuntu Mate 20.10 sind leider nicht vollständig eingedeutscht – einge wenige Menüpunkte sind selbst nach Installation der deutschen Sprachpakete in Englisch.
    Was von der Sicherheit her unter Umständen bedenklich sein könnte – beim ersten Login unter Ubtuntu (auch Mate) 20.10 muss man zuerst den User anwählen, bevor man das Passwort eingibt. Wer aus Gewohnheit sofort das PW eingibt, schreibt es im Klartext in das Feld für den Username.
    Da auf dem Pi das Image direkt auf das Bootmedium geschrieben wird, fehlt im Vergleich zum Installieren von USB auf PCs der Part, bei dem man die Partitionierung vornehmen kann. Wer eine SSD in mehrere Partitionen unterteilen (root getrennt von home z.B.) möchte, muss dies vorher vornehmen.
    Da 20.10 nur 9 Monate supportet wird, sind regelmäßige Updates oder Neuinstallationen des OS bis zum nächsten LTE in 2022 ein weiteres Manko – sofern man sich daran stört.

  2. Hallo Linux Leute,
    habe auf meinem Laptop ubuntu 19.04 drauf, dies lässt sich nicht über
    das Internet aktualisieren bzw. auf 20.04 updaten.
    Habe mir die neue Vers. 20.04 auf die Festplatte heruntergeladen,
    nun wie kann ich die alte Version manuell updaten, finde hierzu
    niergends eine Anleitung.
    Welche Befehle brauche ich, damit ich über das Terminal die alte
    Version überspielen kann.

    Bitte um Hilfe, Danke

    Mfg
    W.R.

    1. Ich denke, da hilft nur eine Neuinstallation, die Sie mit einem USB-Stick (oder einer DVD) starten. Machen Sie unbedingt vorher ein Backup. Ubuntu sollte Ihre bisherigen Daten (also den Inhalt von /home) bei der Neuinstallation berücksichtigen, aber das kann auch schief gehen. Systemeinstellungen (z.B. installierte Server-Dienste) gehen auf jeden Fall verloren.

  3. Hallo,

    gibt es bei der AD Anmeldung erfahrungen, wie lange man damit offline arbeiten kann?
    Ein Kollege hat da nämlich gerade Probleme, sich im Home-Office auf seinem Notebook anzumelden, nachdem er ein paar Tage nicht im Büro war.

    LG Steffen

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